Tragisch — Diese Personen hatten Pech
Alex Alves kommt 2000 als 7-Mio-Hoffnung nach Berlin, schießt das Tor des Jahres aus 52 Metern und stirbt 2012 verarmt in Brasilien an Leukämie. Trainer Helmut „Fiffi" Kronsbein führt Hertha 1968 zurück in die Bundesliga und steht später unter Mordverdacht.
Tragisch — Diese Personen hatten Pech
Alex Alves: Einsamer Tod mit 37.
Vom Tor des Jahres zum einsamen Tod in Brasilien
Alex Alves sollte aus der grauen Maus Hertha einen schillernden Klub machen — und stirbt zwölf Jahre später verarmt mit 37.
Berlin holt im Januar 2000 den brasilianischen Mittelstürmer Alex Alves in die Bundesliga. Aus der grauen Maus Hertha soll endlich ein schillernder Klub wie der FC Bayern, Schalke oder Dortmund werden. Die sieben Mio.
Euro Ablöse wird der bis zur Verpflichtung von U21-Europameister Davie Selke im Sommer 2017 teuerste Neuzugang in der Klubgeschichte der Berliner nie rechtfertigen. Allerdings: Alves erzielt in 81 BL-Spielen immerhin 25 Tore. Eines davon ist magisch.
Am 30. September 2000 düpiert der Brasilianer Kölns Keeper Markus Pröll mit einem Treffer vom Anstoßkreis aus 52 Metern Distanz – es wird das „Tor des Jahres“. Solche genialen Stücke zeigt Alves auf dem Platz leider zu selten. Wirklich heimisch wird er in Berlin nie.
Er wird beim Fahren ohne Führerschein erwischt, erscheint zur Hertha-Weihnachtsfeier extravagant im hellen Frauenpelz oder tanzt in den Nachtklubs der Hauptstadt durch. Mehr als 130.000 Euro Geldstrafe kosten ihn allein diese Eskapaden. Im Sommer 2003 hat man in Berlin genug. Alves (Vertrag bis 2004) verlässt die Hertha vorzeitig, spielt danach beim América FC, Vasco da Gama, CS Ginde in China und beim griechischen No-Name-Klub Kavala. Ab 1. Februar 2008 ist er sogar vereinslos, ehe er nach dreimonatiger Pause zu Fortaleza in Brasilien wechselt. Seine Engagements dauern nach dem Aus in Berlin selten länger als eine Saison. Alexandro Alves do Nascimento beendet seine Karriere – schon 2008 wird Leukämie bei ihm festgestellt. Am 14. November 2012 stirbt Alves verarmt in Brasilien.
Fiffi Kronsbein: Aufstiegstrainer unter Mordverdacht
Erst führt er Hertha 1968 zurück in die Bundesliga, dann klagt ihn 1980 die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Tods seiner Frau an.
Helmut „Fiffi“ Kronsbein: Helmut Kronsbein ist von 1966 – 1974 Trainer bei Hertha BSC. Ziemlich erfolgreich. Hertha lotst Kronsbein von Hannover 96 an die Spree, denn der Verein will unbedingt wieder in die Bundesliga zurückkehren, aus der sie 1965 wegen Lizenzverstößen verbannt worden sind.
Zunächst kann Kronsbein seine Mission nicht erfüllen. Doch in der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1968 gelingt der Aufstieg gegen Rot-Weiss Essen, den SV Alsenborn, Göttingen 05 und FC Bayern Hof. In der ersten Saison 1968/69 hält Hertha die Klasse, in den beiden folgenden Spielzeiten wird man jeweils Dritter der Tabelle.
Im Messe-Pokal und im UEFA-Cup zeigt sich Hertha BSC in Spielen gegen europäische Spitzenteams wie Juventus Turin, Inter Mailand und dem AC Mailand in guter Form. Am 13. März 1974 kündigt Hertha BSC dem Erfolgstrainer. Dieser wechselt wieder zu Hannover 96 und kehrt in der Saison 1979/80 für 17 Spiele zu Hertha BSC zurück.
Weniger erfolgreich. Im Jahr 1983 gerät Kronsbein unter Mordverdacht. „Haben Sie ihre Frau ermordet?“ fragt die Illustrierte Quick qua Titelgeschichte Helmut Kronsbein. Fiffi Kronsbein, der einzige Hertha-Trainer mit über zweihundert Bankeinsätzen – und auch der einzige Mörder? Im Juli 1979 findet er seine Frau in der Badewanne, dazu einen Fön und einen kurzen Abschiedsbrief: „Ich nehme mir das Leben. Ich möchte verbrannt werden – Gerda Kronsbein.“ Der Fall scheint eindeutig. Doch weil Kronsbein sich in Widersprüche verstrickt und die Ermittlungen der Polizei ergeben, dass die Ehe zerrüttet ist, steht Kronsbein plötzlich unter Mordverdacht. Aber kann ein an der linken Hand gelähmter, 65 Jahre alter Mann, eine Frau in der Badewanne umbringen. Möglich ist das schon. So denkt auch die Staatsanwaltschaft Hannover, die Kronsbein im März 1980 wegen Körperverletzung mit Todesfolge anklagt. Ein spätes Gutachten beweist die Unschuld von Kronsbein. Im Urteil heißt es: „Wir haben keinen Zweifel am Stromtod von Frau Kronsbein.“ Helmut Kronsbein stirbt am 27. März 1991 in Berlin. Die Verdächtigungen, seine Frau umgebracht zu haben, haben ihn bis zum Schluss belastet.