Fun Facts — Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs
Dass Hertha BSC wohl auf ewig die Zuschauer-Rekorde der Fußball-Bundesliga hält, weiß in Berlin fast jeder.
Rekorde und Premieren
Was Berlin über die Alte Dame noch nicht weiß
Jenseits der bekannten Zuschauerrekorde liegen die kuriosen Fußnoten der Hertha-Historie.
Dass Hertha BSC wohl auf ewig die Zuschauer-Rekorde der Fußball-Bundesliga hält, weiß in Berlin fast jeder. Nicht ganz so geläufig sind diese Fun Facts zur ,,alten Dame“.
Pal Dardai — 286 Spiele und kein Ende der Bestmarke
Der Ungar läuft zwischen 1997 und 2011 insgesamt 286-mal für Hertha auf — sechsmal so oft wie Vorgänger Sziedat.
Rekordspieler: Pal Dardai war bei Hertha so ziemlich alles: Spieler, Trainer – und er wird wohl auf lange Sicht Rekordspieler bleiben. 286-mal läuft der Ungar zwischen 1997 und 2011 für die Berliner auf. Sechs Mal häufiger als sein Vorgänger, der nicht minder legendäre Michael Sziedat.
90.000 gegen Köln — der inoffizielle Zuschauerrekord
Am 26. September 1969 quetschen sich inoffiziell 90.000 Fans ins Olympiastadion und sehen ein 1:0 gegen den 1. FC Köln.
Zuschauerrekord: Hertha BSC hält wegen des riesigen Olympiastadions die Bundesliga-Zuschauer-Rekorde für die Ewigkeit. 85.411 Fans kommen in der Premieren-Saison am 21. September 1963 gegen den 1. FC Köln in die Betonschüssel im Stadtteil Westend. Am 26. September 1969 sind es - erneut gegen Köln - inoffiziell gar 90.000 Zuschauer, die das 1:0 gegen den FC sehen.
Offiziell lautet die Angabe: 88.075 Besucher. ,,Sämtliche Auffangstufen und sogar die Treppen des Marathontors waren voll besetzt“, schreibt die Berliner Morgenpost dazu.
Das Pokalfinale 1977 — und die Geburt des Elfmeterschießens
Nach 1:1 gegen Köln und 0:1 in der Wiederholung führt der DFB das Elfmeterschießen auch im Endspiel ein.
Das besondere Finale: 1977 steht die Hertha im einzigen DFB-Pokalfinale, das wiederholt werden muss. Einem 1:1 n. V. gegen den 1. FC Köln folgt zwei Tage später in Hannover ein 0:1. Da viele Fans wieder arbeiten müssen und das Stadion beim zweiten Spiel halbleer ist, beschließt der DFB, eine Entscheidung per Elfmeterschießen auch im Finale einzuführen.
Lorenz Horr — der erste deutsche Rekordtransfer
1969 wechselt der Pfälzer Stürmer für umgerechnet 168.000 Euro vom SV Alsenborn nach Berlin — Rekordsumme im deutschen Fußball.
Der erste Super-Transfer: Der pfälzische Stürmer Lorenz Horr wechselt 1969 vom SV Alsenborn für die damalige Rekordsumme im deutschen Fußball von umgerechnet 168.000 Euro zu Hertha BSC. Bis 1977 gehört ,,Lenz“ zu den profiliertesten Spielern der Blau-Weißen und wird 1977 mit Hertha Vizemeister.
Kuriositaeten
Marcelinho knackt Horrs Elfmeter-Rekord
Erst am 21. September 2005 bricht der Brasilianer Marcelinho mit seinem 13. verwandelten Strafstoß die alte Bestmarke.
Elfmeter: Lorenz Horrs Rekord von zwölf verwandelten Strafstößen im Dress der Herthaner wird erst am 21. September 2005 durch den 13. Elfmeter-Treffer des Brasilianers Marcelinho Paraiba im Spiel gegen den MSV Duisburg (3:2) überboten.
Marko Grujic — Klopps allererster Liverpool-Einkauf landet in Berlin
Der Serbe ist Klopps Premieren-Transfer als Liverpool-Coach im Januar 2016 — und kommt 2018 leihweise nach Berlin.
Erster Klopp-Transfer landet in Berlin: Der Serbe Marko Grujic von Roter Stern Belgrad ist im Januar 2016 der erste Transfer, den Jürgen Klopp als neuer Coach des FC Liverpool tätigt. Was das mit Hertha BSC zu tun hat? Zu Beginn der Saison 2018/19 wird der Mittelfeldspieler, der sich in Anfield nicht durchsetzen kann, an die Berliner ausgeliehen – bis 2020 läuft der Deal zunächst.
Michael Preetz — Herthas einziger Bundesliga-Torschützenkönig
In über 55 Bundesliga-Jahren stellt Hertha nur 1998/99 den Torschützenkönig: Michael Preetz mit 23 Treffern.
Nur Preetz ganz oben: Hertha BSC stellt in mehr als 55 Jahren Bundesliga nur in der Saison 1998/99 den Torschützenkönig. Michael Preetz (31) sichert sich mit 23 Treffern die Kanone.
Simunic und van Burik — die Platzverweis-Könige
Beide fliegen in Hertha-Diensten je fünfmal vom Platz, Simunic schafft 2006/07 sogar drei Rote in einer Saison.
Platzverweise: Der Kroate Josip Simunic und der Niederländer Dick van Burik fliegen in Diensten von Hertha BSC jeweils fünfmal mit Rot oder Gelb-Rot vom Platz. Simunic schafft dabei das Kunststück von drei Platzverweisen in der Saison 2006/07, womit er in dieser Statistik zu den Rekordhaltern gehört (mit sechs anderen Sündern).
Niklas Stark — vier Eigentore in einem August
Beim 0:3 auf Schalke am 31. August 2019 trifft Hertha gleich zweimal ins eigene Netz.
Am 31. August 2019 schlägt sich Hertha BSC beim 0:3 auf Schalke selbst. Niklas Stark und Karim Rekik fabrizieren zwei Eigentore. Für Stark sind es im August 2019 bereits die Treffer Nummer 3 und 4 ins eigene Netz…
Anekdoten und Skurriles
Berlin do Brasil — 15 Brasilianer im Hertha-Trikot
Bis Dezember 2019 stehen 15 Brasilianer bei Hertha unter Vertrag — kein Land stellt mehr Profis.
Berlin do Brasil: In der Bundesliga hat Hertha bis Dezember 2019 15 Brasilianer unter Vertrag genommen, mehr Profis kommen aus keinem anderen Land nach Berlin. Die meisten Pflichtspiele absolviert Marcelinho (193).
Holst und Hanne am Zoo — die Kult-Kneipe der Hertha-Fans
Die Fußballkneipe von Ex-Präsident Wolfgang Holst am Bahnhof Zoo prägt Berlin über Jahrzehnte.
Holst und Hanne am Zoo: Zu den bekanntesten Fußballkneipen in Berlin gehört über Jahrzehnte das “Holst am Zoo” von Ex-Hertha-Präsident Wolfgang Holst, direkt am Bahnhof Zoologischer Garten. 2002 übernimmt Ex-Profi Hans ,,Hanne“ Weiner und der Laden heißt fortan Hanne am Zoo. Seit 2010 ist der bei Fans sehr beliebte Laden dicht.
Der erste Fan-Club: Der ,,Hertha BSC-Fan Club e.
Manfred Holst hebt 1972 den ersten Hertha-Fanclub aus der Taufe — heute sind es über 410.
Der erste Fan-Club: Der ,,Hertha BSC-Fan Club e. V.“ wird 1972 von Manfred Holst aus der Taufe gehoben. Inzwischen hat der Hauptstadtklub mehr als 410 offizielle Fanclubs.
Vom Dampfer auf der Havel zum Vereinsnamen
Mitgründer Fritz Lindner benennt den Klub 1892 nach einem Ausflugsdampfer mit blau-weiß-gelbem Schornstein.
Warum eigentlich Hertha? Die Vereinsgründer sind 1892 die Brüderpaare Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz. Auf der Suche nach einem Namen hat Fritz Lindner die Idee, den Verein Hertha zu benennen, da er mit seinem Vater kurz zuvor auf einem gleichnamigen Dampfer auf der Havel gefahren ist.
Dessen Schornstein hat die Farben Blau, Weiß und Gelb, die kurzerhand als Vereinsfarben übernommen werden. Das Gelb verschwindet zwar alsbald, aber Hertha tritt noch in den 90-er Jahren in gelben Ausweichtrikots auf. Der 1886 erbaute Dampfer Hertha fährt noch bis etwa 2010 auf der Kyritzer Seenkette und soll wieder in Betrieb genommen werden, teilt der Verein auf der Jahreshauptversammlung im November 2019 mit – nach bestandener “Leckprüfung”.
Europacup-Finals in Berlin — nur eben nie mit Hertha
Das Olympiastadion empfängt 1986 das UEFA-Cup-Finale und 2015 das Champions-League-Endspiel — ohne den Gastgeber.
Das Berliner Olympiastadion ist 1986 erstmals Schauplatz eines Europacup-Finals. Im Rückspiel des UEFA-Cup-Endspiels muss der 1. FC Köln nach einer Zuschauer-Strafe nach Berlin ausweichen – und versucht gegen Real Madrid (2:0) vergeblich, ein 1:5 aus dem Hinspiel aufzuholen. 2015 ist Berlin Ausrichter des Champions-League-Endspiels mit dem FC Barcelona und Juventus Turin (3:1).
Vom Trikot bis zum Pokal
Uwe Kliemann — der „Funkturm“ im Hertha-Trikot
Der 1,96 Meter große Berliner kehrt 1974 zurück und prägt die erfolgreiche Mitt-70er-Ära mit.
Der Funkturm: „Funkturm“ – das ist der Spitzname von Uwe Kliemann. Der Grund: Der Berliner ist 196 Zentimeter groß und ein guter Kopfballspieler. 1974 kehrt der gebürtige Berliner nach fußballerischen Ausflügen ins „Wessiland“ zu Hertha BSC zurück und prägt die erfolgreiche Ära des Vereins Mitte der 70-er Jahre nachhaltig mit.
Als Hertha in der Saison 1974/75 kurzzeitig Meister werden kann, wird sein Duell gegen den Sturmknirps Allan Simonsen von Borussia Mönchengladbach zum beliebten Medienmotiv. Am Ende setzt sich der Knirps durch. Hertha wird nur zweiter, obwohl der Verein die Borussia zu Hause mit 2:1 besiegt.
Dettmar Cramer — Trainer für ein einziges Training
Im Juli 1974 wird der „kleine Professor“ als Hoffnungsträger präsentiert — und tritt nach einer Einheit zurück.
Schluss nach einem Training: Präsident Heinz Warneke schafft mit seinem Führungsteam nach dem Bundesligaskandal die langsame Gesundung des Vereins. Mehr Professionalität und Solidität soll auch Startrainer Dettmar Cramer bringen. Im Juli 1974 präsentiert die Vereinsführung den „kleinen Professor“ als neuen Trainer.
Nach einem Training ist bereits wieder Schluss. Cramer gibt den Posten „aus rein persönlichen Gründen“ wieder ab.
Abseitsfalle und der erste Mannschaftsarzt im deutschen Fußball
Ob Hertha die Abseitsfalle erfand, ist Legende — Hermann Horwitz als erster Mannschaftsarzt ist hingegen verbürgt.
Fun Fact, Gelogen oder Urban Legend? Das ist bei den beiden folgenden Minigeschichten nicht ganz klar. Dennoch: In Hertha-Kreisen wird gerne erzählt, dass der Klub in seinen goldenen 20-er Jahren die Abseitsfalle erfunden hätte.
Zweifel sind angebracht. Was schon eher stimmt. Der Verein hat mit Hermann Horwitz den ersten Mannschaftsarzt im deutschen Fußball.
Horwitz ist Jude und wird 1943 von den Nazis ermordet.