OMG — Oh My God!
„Berlin ist arm, aber sexy“, dieses Zitat wird dem früheren Bürgermeister Klaus Wowereit (,,Wowi“) zugerechnet.
Skandale und Affären
Berlin ist arm, aber sexy – fußballerisch nur arm
Wowereits Berlin-Slogan trifft Hertha hart: keine andere Hauptstadt der europäischen Top-5-Ligen ist sportlich so bedeutungslos.
„Berlin ist arm, aber sexy“, dieses Zitat wird dem früheren Bürgermeister Klaus Wowereit (,,Wowi“) zugerechnet. So arm, schrullig und pulsierend-verrucht die Bundeshauptstadt auch sein mag, in Fußball-Europa hat Berlin nichts zu melden. Kein anderes Land der europäischen Top-Five-Ligen hat eine derart erfolglose Fußball-Hauptstadt wie das wiedervereinte Deutschland.
Fußballerisch ist Berlin arm und wenig sexy.
Selbst Wien titelt mehr: Hertha mit zwei Meisterschaften
Rapid Wien hat 32 österreichische Titel, Hertha nur zwei deutsche Meisterschaften – und die liegen über 80 Jahre zurück.
Selbst Österreich ist besser: Berlin ist die einzige Hauptstadt der Top 5 Ligen in Europa, in der der beste Klub der Hauptstadt regelmäßig zwischen Mittelmaß und Zweitklassigkeit schwankt. Für den viermaligen Welt- und dreimaligen Europameister Deutschland, der mit der Nationalmannschaft mehr Titel geholt hat, als die vier anderen Top-Fußball-Länder Europas, England, Frankreich, Italien und Spanien, ist Berlin eine Peinlichkeit! Sehen wir mal von den Titel-Sammlern aus London, Paris, Rom und Madrid ab, so können selbst die Österreicher mit ihrem Fußball-Standort Wien bis in alle Ewigkeit mehr angeben als die Berliner.
Allein Rapid Wien hat 32 österreichische Meistertitel geholt, Hertha nur zwei Deutsche Meisterschaften – und das ist mehr als 80 Jahre her. Dass sich München mit ,,seinem“ FC Bayern den Titel ,,Fußball-Hauptstadt“ anheftet, ist verständlich – und obendrein absolut berechtigt. Folgerichtig trägt auch München mit seiner Allianz Arena 2020 die EM-Spiele in Deutschland aus – und Berlin eben nicht.
Bundesliga-Skandal 1971: 240.000 Mark für ein 0:1
Im Bestechungsskandal 1971 kassierte Hertha laut Daniel Stolpe mehr Geld als jeder andere Klub – 240.000 Mark für die Niederlage gegen Bielefeld.
Bundesliga-Skandal: Kein Team kassiert mehr Schmiergeld als Hertha! ,,Auf schwer verständliche Weise gehört es zum Selbstverständnis, die Schuld am eigenen Versagen regelmäßig bei anderen zu suchen“, beschreibt Daniel Stolpe 2013 in „50 Jahre Bundesliga – Die Geschichte – Die Legenden – Die Bilder” das Dilemma der Hertha. Zu Recht. Die Meinung, dass Hertha 1971 beim großen Bundesliga-Bestechungsskandal – eine Affäre, die die Glaubwürdigkeit der Liga über Jahre schwer beschädigt –,, zu hart bestraft wurde“, hat Ex-Hertha Boss Wolfgang Holst ziemlich exklusiv.
Denn: Keiner der im Korruptionssumpf um verschobene Spiele steckenden Klubs hat tatsächlich mehr Geld angenommen als die Berliner. Von 240.000 Mark (120.000 Euro) ist die Rede, für ein einziges Spiel (0:1 gegen Arminia Bielefeld). Heute wohl ein Handgeld.
15 Spieler werden gesperrt, einige auf Lebenszeit, die Mannschaft von Hertha BSC bricht auseinander.
Finanzkrisen und Machtkampf
Das Nebelspiel gegen Barcelona am 23. November 1999
Schiedsrichter Levnikov ließ trotz dichten Nebels anpfeifen – die Tore zum 1:1 erahnten die Zuschauer im Olympiastadion nur.
Das Nebelspiel gegen Barcelona: Wenn Berlin schon mal in Europa mitmischt, hat man meist kein Glück – und dann kommt (ab und an) auch noch Pech dazu. Wie am 23. November 1999 im Champions-League-Heimspiel gegen den FC Barcelona, als sich dichter Nebel über das Olympiastadion legt. Schiedsrichter Nikolaj Levnikov aus Russland lässt trotzdem anstoßen – und die meisten Zuschauer erahnen die Tore von Luis Enrique (12.) zum 0:1 und zum 1:1-Endstand, der Europacup-Sternstunde von Kai Michalke (33.), nur.
Die Berliner Fans schwanken beim Sender tm3 zwischen Wut (,,Die Zuschauer wurden praktisch betrogen“) und Sarkasmus: ,,Die 2. Halbzeit war das Beste, was wir von Hertha jemals gesehen haben – nämlich nichts. Oder, wie man in Berlin auch sagt: Es ist besser, nichts zu sehen, als was Schlechtes zu sehen…
Hertha im Osten: ein West-Klub mit Charlottenburger Image
Nach 1990 verfing Hertha kaum im Ostteil Berlins – dort gilt der Klub vielen als Spandau-Charlottenburger Westverein.
Und noch etwas Politisches: Bei Hertha BSC gilt es als große Niederlage, dass es der Verein nach 1990 nur unzureichend geschafft hat, im Osten von Berlin populär zu werden. Die Hertha hat Fans in West-Berlin und in Brandenburg, doch gilt sie bei vielen Fußballfans im Osten der Stadt als typischer West-Klub mit Spandau-Charlottenburger Spießer-Flair. Für die Hinzugezogenen bietet der Verein vielfach auch keine rechte Fanalternative.
Sie bringen lieber ihre Vorlieben aus der Heimat mit und konservieren sie während und solange sie in der Hauptstadt leben. Jetzt will man Hertha mit dem Geld von Investor Lars Windhorst zum „Big City Club“ machen.
Windhorsts 125-Millionen-Einstieg statt REAL-Übernahme
Nach der gescheiterten REAL-Übernahme stieg Lars Windhorst 2019 für 125 Millionen Euro über Tennor bei Hertha ein.
Tausche eine große Beteiligungsgesellschaft mit Firmensitz in New York City (Kohlberg, Kravis Roberts) gegen Lars Windhorst. Hertha BSC anstelle von REAL. Fußball statt Supermarkt.
Nachdem Lars Windhorst der Einstieg in die deutsche Supermarktkette REAL misslingt, steigt er für 125 Millionen Euro über das Beteiligungsvehikel Tennor bei Hertha BSC ein. Er erwirbt 37,5 Prozent an dem Klub, in der Saison 2020/21 kann er weitere 12,4 Prozent der Anteile an Hertha kaufen und würde damit 49,9 Prozent an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA besitzen.
Mehr geht nicht, da die „50 plus eins“-Regel eine höhere Beteiligung verbietet. Vom Erfolg seines Investments ist Windhorst überzeugt: „Hertha ist das interessanteste Sportinvestment in ganz Europa“, sagt der Unternehmer, der positive Schlagzeilen im Sommer 2019 gut gebrauchen kann. Zwei Insolvenzen, eine einjährige Bewährungs- und Geldstrafe wegen Veruntreuung hat er überstanden, da kommen negative Fonds-Schlagzeilen ziemlich ungelegen und etwas Ablenkung – wie „Das Handelsblatt“ am 27.06.2019 berichtet - durch Hertha BSC ganz recht. Windhorst hält in einigen seiner Fonds illiquide Anleihen, die mit dem umstrittenen Investor in Verbindung stehen. Die Folge: Die Analysefirma Morningstar setzt das Rating des H2O-Fonds „Allegro“ aus und überprüft die bisherige „Bronze“-Einstufung des Produkts (moderat positiv und zum Vertrieb zugelassen) wegen der illiquiden Anleihen. Sechs Hauptfonds sind nach Angaben des „Handelsblatts“ betroffen. Nach der Veröffentlichung der Morningstar-Meldung ziehen institutionelle Anleger einige Milliarden Euro aus H2O-Fonds ab, der Aktienkurs des H2O-Mehrheitsaktionärs Natixis bricht um 14 Prozent ein. Als Reaktion auf die Ratingaussetzung verkauft H2O einige der monierten Anleihen und setzt die Einstiegsgebühren für seine Fonds auf null. Von 31,1 Milliarden Euro Ende März 2019 schrumpfen die Kapitalbestände auf 27 Milliarden Euro Ende Juni 2019. Kurze Zeit später nimmt Morningstar das Rating wieder auf, stuft es aber auf neutral herab. H2O-Anlagechef Vincent Chailley teilt zeitgleich mit, dass man die Ausgliederung der mit dem Namen Windhorst verbundenen Anleihen in ein separates Portfolio prüfe (neue Informationen liegen uns per Dezember 2019 nicht vor). Der Gesamtbestand dieser Titel sei durch Verkäufe um 300 Millionen auf unter 500 Millionen Euro gesenkt worden. Dabei seien deutliche Abschläge bei den Bewertungen berücksichtigt.
Kurioses und Unglaubliches
225 Millionen Euro für die halben Hertha-Anteile
Während bei Bayern Audi, Allianz und Adidas beteiligt sind, hat Hertha rund die Hälfte seiner Anteile für etwa 225 Millionen Euro verkauft.
Beim FC Bayern sind Audi, Allianz und Adidas beteiligt – der Hauptstadtklub hat die Hälfte seiner Anteile für ca. 225 Millionen Euro veräußert. Dafür bekommt man bei den gegenwärtigen Transferpreisen genau eine Topabwehr, ein Top-Mittelfeld oder einen Top-Sturm.
Einmal! Aber die Anteile sind auf immer weg. Von einer Rückkaufoption im Beteiligungsvertrag mit Windhorst ist nichts bekannt.
Big City Club – OMG.