In den turbulenten Anfangsjahren der Fußball-Bundesliga ist die geteilte Stadt Berlin als ,,Insel“ mitten in der Sowjet-Zone vom Start weg ein Sonderfall. Und Hertha liefert 1965 außerhalb des Stadions einen traurigen Rekord. Der Berliner Klub ist der erste, dem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Lizenz für die 1963 gegründete Bundesliga verweigert.\n\nDaran ändert auch ein bizarrer TV-Auftritt vom damaligen Hertha-Boss Wolfgang Holst (1922 – 2010) im Februar 1965 nichts.
In der TV-Sendung des Sender Freies Berlin (SFB) mit dem bezeichnenden Namen ,,Wahn und Wirklichkeit“ erzählt er freimütig, dass 13 von 15 Konkurrenten“ in der Bundesliga ihren Spielern üppige Handgelder zahlen würden. Motto: ,,Det machen die Anderen doch ooch“.\n\nDas rettet seinen Klub nicht. Eigentlich hätte Hertha BSC schon 1963 gar keine Lizenz für die Bundesliga bekommen dürfen!
Um Stars aus dem Westen der Republik in die geteilte Stadt zu locken, zahlt der Verein mehr Geld als der DFB erlaubt.\n\nDieser ,,schwere Verstoß gegen das Statut“ in der Lizenzspieler-Ordnung des DFB führt dazu, dass Hertha BSC nach Ende der Saison 1964/65 als erster Klub die Bundesliga-Lizenz verliert. Laut DFB-Berechnungen fehlen den Berlinern Belege für 192.000 Mark, also umgerechnet fast 100.000 Euro – viel Geld für damalige Verhältnisse!